Mami ist dann mal weg…

Geradezu himmlisch diese Sommerferien! Der Himmel ist stahlblau, es weht ein kühlendes Lüftchen. Ich lese gerade mein fünftes Buch in sieben Tagen. Es ist herrlich still um mich herum und ich fühle mich rundum erholt. Moment mal. Es ist still? Fünftes Buch in sieben Tagen? Rundum erholt? Halt, stopp, zurück! Irgendetwas stimmt nicht an diesem Bild. Erholt in den Sommerferien als Mutter von drei Kindern? Ach so, ja. Ich vergaß zu erwähnen, dass ich alleine unterwegs bin. Jawohl. Ganz allein im Urlaub. Ohne Mann, ohne Kinder, ohne Stress. Wie ich mich dabei fühle? Na, wunderbar! Aber darf ich das? Darf sich ein Familienmitglied – egal ob Mutter oder Vater – in der längsten, gemeinsamen “quality time” des Jahres alleine vom Acker machen? Schadet das dem Seelenheil der Kinder – oder der Eltern? Oder haben am Ende alle etwas davon?

Zugegeben: So ganz ehrlich war ich nicht zu den Kindern, als ich ihnen mitteilte, dass sie alleine mit Papa nach Teneriffa fliegen müssten. “Mami muss leider arbeiten”, versicherte ich immer wieder im leidenden Tonfall auf die Frage meiner Kinder, warum ich nicht mit ihnen in den Urlaub fahre. Schließlich sollten sie nicht glauben, dass ich etwas gegen einen gemeinsan Urlaub hätte. Und tatsächlich habe ich es geschafft, mir EINEN beruflichen Termin in die drei Urlaubswochen zu legen, um mein schlechtes Gewissen angesichts dieser infamen Lüge zu beruhigen. Aber warum fahre ich nicht mit in den gemeinsamen Urlaub? Nun, ganz einfach: Was im Alltag schon schwer genug ist, potenziert sich meiner Erfahrung nach im Urlaub zu fünft in einem kleinen Appartement bei 29 Grad im Schatten bis ins Unerträgliche: die ewigen Familien-Kompromisse. Die einen wollen ausschlafen, die anderen sind schon extrem früh extrem munter. Dieser will an den Strand, jener aber lieber an den Pool. Wandern ist doof, Wasser-Park ist doof, shoppen gehen ist doof – je nachdem, wen Du fragst. Der eine braucht eine gewisse Ordnung, dem anderen ist es maximal egal, dass sich dreckige und saubere Wäsche mit einem schleimigen Sonnencreme-Sand-Kakerlakenleichen-Gemisch auf dem Fußboden vereinigen. Aber nicht mir mir! Nicht in diesem Jahr! In diesem Jahr nehme ich mir eine Auszeit und fahre alleine an den Urlaub.

Meine Erfahrung? Nun, die ersten Tage waren – sagen wir mal – merkwürdig. Ich habe mich so dermaßen auf die Zeit allein gefreut, dass es fast ernüchternd war als es endlich soweit war. Die Kinder an den Flughafen zu bringen und alleine mit Papa wegfliegen zu lassen, grenzte allerdings an eine olympiareife Leistung im Gefühle-Unterdrücken. Nur nicht heulen! Und dann immer dieses schlechte Gewissen: Geht es den Kindern gut? Vermissen Sie mich sehr? Kommt der Papa mit ihnen zurecht? Oder lässt er sich von mir scheiden, weil ich ihm die ganze Verantwortung aufdrücke? Darf ich mich angesichts meines Egoismus überhaupt amüsieren?

Mein Fazit nach bisher sieben allein verbrachten Tagen: Es ist wunderbar! Mittlerweile traue ich mich sogar mit meinen Kindern zu telefonieren. Sie leben, sie haben Spaß, sie vermissen mich und sie genießen es ohne mich. Paradox, aber so ist es. Endlich mal keiner, der ihnen unsinnige Vorschriften macht (siehe “Sonnencreme-Sand-Kakerlakenleichen-Gemisch”). Frühstück am Strand statt mami-like gesittet am Tisch. Bis weit nach Mitternacht am Strand auf den Tretbooten herumtoben, ohne Mamas unweigerlichen Kommentar: “Kommt da runter. Das darf man nicht. Die gehen doch kaputt!” Und Mama? Mama genießt die Ruhe und Stille einsamer Tage an der Ostsee. Der ewig gleiche Rythmus aus Aufstehen, frühstücken, arbeiten, lesen und Strandbesuchen tun ihr gut. Keiner macht ihr den ewig gleichen Tagesablauf mies. Keiner quakt dazwischen. Und plötzlich kommen Gefühle hoch wie das Vermissen von bestimmten Familien-Ritualen, vertrauten Stimmen, gewohnten Macken. Und körperliche Sehnsüchte bekommen auch wieder ihren Raum. Wenn der Partner nicht täglich neben einem liegt, weiß frau erst, was ihr fehlt! Und “man” scheint es ähnlich zu gehen. Ich habe noch nie so viele “Herzchen-Küsschen-Lust-Smileys” bekommen wie in den letzten sieben Tagen. Vielleicht erklärt das auch die Belastung der Familien-Kreditkarte mit unverschämt vielen Euros für meinen spontan gebuchten Flug nach Teneriffa. Die Erholung von Familie und Kompromissen hat gut getan. Aber nun ist mal gut mit Ruhe. Nächste Woche ist wieder Chaos angesagt – schönes, nervenaufreibendes, wundervolles Chaos. Achtung Familie, Mami kommt zu Euch in den Urlaub!

Schöne Ferien wünscht Euch
Mama Soße

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